Die Kanu-Jugend in Rünthe

Die Rünther Kanu-Jugend zu Beginn der 1960er Jahre. (Repro: Manuel Izdebski
Die Rünther Kanu-Jugend zu Beginn der 1960er Jahre. (Repro: Manuel Izdebski

Ein altes Fotoalbum, das kürzlich beim Auktionsportal „ebay“ angeboten wurde, lädt zu einer Zeitreise in die 1960er Jahre ein. Die historischen Aufnahmen zeigen Mitglieder des Kanuvereins Rünthe bei ihren sportlichen Aktivitäten. Vermutlich wurde das Album schon vor langer Zeit durch eine Haushaltsauflösung zur Trödelware. Hinweise auf den ursprünglichen Besitzer finden sich nicht, wohl aber bieten die alten Fotografien einen interessanten Blick auf das Freizeitleben der Rünther Jugend vor rund 60 Jahren.

Das Album trägt den Chic der 50er und 60er Jahre. (Foto: Manuel Izdebski)
Das Album trägt den Chic der 50er und 60er Jahre. (Foto: Manuel Izdebski)

Auf den Bildern ist stets die gleiche Gruppe junger Männer zu sehen, damals vermutlich  um die 20 Jahre alt und mit sichtlich Spaß bei der Sache. Kanu-Touren auf der Lahn, der Weser, dem Rhein und auf der Stever sind fotografisch dokumentiert. Auch ein Zeitungsausschnitt über den Saisonauftakt von 1963 findet sich darin. Lokalreporterin Trude Gosewinkel, die viele Rünther noch kennen, berichtete über das Ereignis im „Westfälischen Anzeiger und Kurier“. Anfang der 1960er Jahre ging es im deutschen Wirtschaftswunderland beständig aufwärts. Das gesellschaftliche Leben fand in den zahlreichen Kneipen und den Vereinen statt. Fernsehgeräte waren für die Haushalte noch längst keine Selbstverständlichkeit und spielten deshalb für das Freizeitverhalten keine große Rolle. Die jungen Leute in Rünthe nutzen die Angebote, die ihnen die Kirchengemeinden und die Vereine mit ihrer Jugendarbeit machten. Der Kanuverein stand dafür in einem besonders guten Ruf. Das eigene Vereinsheim, das 1950 gebaut wurde, war ein beliebter Treffpunkt. Ein bekanntes Vereinsmitglied aus dieser Zeit ist Bergkamens Ehrenbürgermeister Wolfgang Kerak, der in Rünthe-West groß wurde und seit Jahrzehnten den Kanuten die Treue hält. „Eigentlich wollte ich schon als Kind Mitglied werden, aber die Jugendabteilung war so überlaufen, dass es zunächst einen Aufnahmestopp gab“, erinnert er sich. Kerak weiß von großen Wettbewerben zu berichten, die der Kanuverein damals auf dem Kanal ausrichtete: „Wenn eine Regatta stattfand, kamen eintausend Zuschauer zusammen. Der Kanusport war im Ort sehr erfolgreich. Mit Heinz Windecker hatten wir in Rünthe sogar einen Deutschen Meister.“ Die Wanderfahrten sind Wolfgang Kerak besonders im Gedächtnis geblieben: „Da hat die halbe Rünther Jugend mitgemacht. Mal ging es an den Edersee, mal nach Limburg an der Lahn. Wir waren mit den Kanus immer unterwegs. Das war eine schöne Zeit.“

Tatsächlich kann der Kanuverein in Rünthe auf eine lange Tradition zurückblicken, in fünf Jahren feiert er sein 100-jähriges Bestehen. Die Vereinsgründung im Jahre 1927 ist eng mit der Arbeiterbewegung verknüpft, denn ursprünglich wurde der Zusammenschluss als „Arbeiter Turn- und Sportverein Vorwärts“ gebildet. Die Namensgleichheit zur sozialdemokratischen Parteizeitung kommt nicht von ungefähr. Der Verein entstand aus dem Gedanken der Selbsthilfe in der Arbeiterschaft. Durch die sportlichen Aktivitäten sollten die Bergleute im Ort einen Ausgleich zur harten Maloche unter Tage erhalten. Die im Jahre 1926 von der Altgemeinde Rünthe erbaute Turnhalle an der Overberger Straße bot die benötigte Infrastruktur. Das Wissen um die Gründungsmitglieder des Vereins ist bis heute erhalten. Damals ergriffen Kurt Blaha, Willi Buttkewitz, Robert Büsselberg, Kurt Kirmse, Franz Mainusch, Hermann Pohl und Oskar Wiesner die sportliche Initiative.

Namentlich nicht bekannt sind die jungen Leute auf den Fotografien von 1963. Die jungen Männer von einst dürften heute betagte Herren sein, die viele Geschichten aus dem alten Rünthe erzählen können. Hinweise nimmt der Autor unter der Rufnummer (0176) 854 22 825 oder per Email entgegen.