Historisches Kleinod: Das älteste Haus in Rünthe

Das Fachwerkhaus in der Südlichen Salzstraße steht seit 1990 unter Denkmalschutz. (Foto: Manuel Izdebski)
Das Fachwerkhaus in der Südlichen Salzstraße steht seit 1990 unter Denkmalschutz. (Foto: Manuel Izdebski)

Das vermutlich älteste Gebäude im Stadtteil Rünthe steht in der Südlichen Salzstraße und trägt die Hausnummer 11. Das alte Fachwerkhaus ist mehr als 250 Jahre alt und eng mit der Geschichte von Haus Rünthe verknüpft, denn im Ursprung war der kleine Hof ein sogenannter Brinksitzer, der zum Adelsgut gehörte. Das waren kleine Kötter, die nur wenig Land bewirtschafteten und einen Teil ihres Ertrages an die Herrschaft abführen mussten. Die Hofstelle in der Südlichen Salzstraße wurde von der Familie Schäfer betrieben. Zum Haus Rünthe gehörten außerdem noch die Brinksitzer Meimerg (Borgschulte), Dillmann (Dillkötter) und Langenkemper.  Im Jahre 1769 befand sich das Landgut im Besitz der adeligen Familie von der Reck, deren Stammsitz das Haus Reck in Lerche war. Damals steckte das Adelsgeschlecht in großen finanziellen Schwierigkeiten. Um einen Bankrott abzuwenden, mussten drei Brink-sitzerstellen von Haus Rünthe zu Geld gemacht werden, darunter auch der Kotten in der Südlichen Salzstraße. Im Landesarchiv in Münster bezeugen die alten Rünther Grundakten den Verkauf des kleinen Hofes an den Landrichter Pütter aus Kamen. Den finanziellen Niedergang der Familie von der Reck konnte die Aktion nur hinauszögern, aber nicht verhindern. Im Jahre 1774 trat der Konkurs endgültig ein. Das Haus Rünthe ging nun an Gisbert von Torck, dem letzten adeligen Herrn auf dem alten Gut. Landrichter Pütter wiederum veräußerte 1780 seinen Kotten in der Südlichen Salzstraße für 305 Taler an den Bewirtschafter Wilhelm Wiese. Im rheinisch-westfälischen Urkataster von 1827 ist das Fachwerkhaus unter seinem Namen nachweisbar. Später muss es in das Eigentum der Familie Borgschulte gelangt sein.

 

Ältere Rünther können sich an die Witwe Borgschulte erinnern, die dort noch in den 1980er Jahren wohnte, obwohl das alte Haus über keinen Strom- oder Wasseranschluss verfügte und im Garten ein Toilettenhäuschen mit Plumpsklo stand. Heute wird das für die Ortsgeschichte bedeutsame Fachwerkhaus von der Familie Stams-Kimpel bewohnt, die es im Jahre 1993 von der Erbengemeinschaft Borgschulte erworben und unter den strengen Auflagen des Denkmalamtes entkernt und komplett saniert hat. Dafür waren nicht nur erhebliche finanzielle Mittel nötig, sondern auch viel Herzblut. Eigentlich sollte das historische Gebäude im hinteren Bereich als Kontrast durch einen modernen Anbau ergänzt werden. Eine Genehmigung der Denkmalbehörde lag bereits vor. Doch der Plan wurde ein Opfer der ausufernden Sanierungskosten. Wer einen Spaziergang am Kanal macht, kann einen lohnenden Abstecher in die Südliche Salzstraße unternehmen, um einen Blick auf das Fachwerkhaus zu werfen. Das architektonische Kleinod ist nicht nur das älteste Haus in Rünthe, sondern auch eines der schönsten.

 

Die Fotos von der Sanierung des Hauses sind mir freundlicherweise von der Familie Stams-Kimpel zur Verfügung gestellt worden.