"Goldene Freizeit" im Jahre 1977

Ein filmisches Vergnügen der besonderen Art bieten ehemalige Schüler der Hellweg-Hauptschule in Rünthe mehr als 40 Jahre nach dem Ende ihrer Schulzeit bei Youtube. Dort findet sich unter dem Titel „Goldene Freizeit“ ein Videoclip, den die damaligen Jungen und Mädchen 1977 im Ort gedreht haben. Das Werk setzt sich kritisch mit den von den jungen Leuten als mangelhaft betrachteten Freizeitmöglichkeiten in Rünthe auseinander. Der Titel ist deshalb ironisch angelegt. Zu den Protagonisten des Films zählen Christiane Blaurock (damals noch Kemke), Detlef Garritzen, Eberhard Koch und Uwe Saller, der wenige Jahre später bei einem tragischen Verkehrsunfall ums Leben kam.

 

An die Dreharbeiten erinnert sich Christiane Blaurock: „Das war eine Idee, die Ulrich Schwarz und Uwe Ehlert in der Foto-AG der zehnten Klasse hatten. Michael Kramp begleitete das als Lehrer. Wir Schauspieler waren etwas jünger, siebte oder achte Klasse. Als wir gefragt wurden, ob wir mitmachen wollen, waren wir sofort dabei. Gedreht wurde damals noch mit Super 8.“ In dem 17-minütigen Clip durchstreifen die Jugendlichen die gesamte Ortschaft und liefern damit unbeabsichtigt eine Dokumentation der großen Stadtteilsanierung. Dem Betrachter bietet sich ein Blick auf das alte und das neue Rünthe. Einige Straßenzüge sind bereits saniert und erstrahlen im neuen Glanz nach der Modernisierung, etwa die Froschecke in Rünthe-Süd. Andere Siedlungsteile verbreiten den Charme einer in die Jahre gekommenen Zechensiedlung, die ihre beste Zeit hinter sich hat. Ortsansässige Geschäfte der damaligen Zeit, deren Namen heute niemand mehr nennt, rücken ebenso ins Bild, wie der alte Schacht III mit seinem Förderturm. Am Landwehrpark befinden sich die Häuser noch im Rohbau, am trostlosen Klöckner-Hafen denkt noch niemand an die Marina Rünthe.

Christiane Blaurock weiß, wie der Film die Internetplattform erreicht hat: „Eberhard Koch hat den Super 8-Film schon vor einigen Jahren digitalisieren lassen und dann bei Youtube eingestellt. Leider ist die Tonspur dabei verloren gegangen.“ Doch das tut dem Vergnügen keinen Abbruch, das Werk lebt von den bewegten Bildern mit den alten Ortsansichten. Wenn alte Rünther sich den Film von 1977 anschauen, wird es ihnen vermutlich wie Christiane Blaurock gehen: „Da packt mich die Nostalgie!“

Ein Imagefilm über Rünthe, der 1959 anlässlich eines Jubiläums des Männergesangsvereins produziert wurde, gilt als verschollen. Seine Wiederentdeckung käme einer kleinen Sensation gleich. Der Autor dieses Blogs hofft, dass der Film noch in einem Familiennachlass zu finden ist, um ihn zu digitalisieren und dem Stadtarchiv zur Verfügung zu stellen, damit er der Nachwelt erhalten bleibt.  Sachdienliche Hinweise werden unter der Rufnummer 0176-85422825 entgegengenommen.