Der alte Zechenplatz

Schacht III in Rünthe historisch.
Zu Wohnraum umgebaute Maschinengebäude am Schacht III Anfang der 1950er Jahre. (Bildnachweis: Westf. Wirtschaftsarchiv, Signatur N 21)

Der Zechenplatz am Schacht III zählt zu den verschwundenen Orten im Stadtteil Rünthe. Einst war das Gelände für die Altgemeinde von zentraler Bedeutung und der Förderturm ein Wahrzeichen der Ortschaft.

 

Bisher unveröffentlichte Fotos aus dem Westfälischen Wirtschaftsarchiv in Dortmund zeigen den Zechenplatz, wie ihn nur noch ältere Einwohner kennen. Die historischen Aufnahmen gehören zum Nachlass von Siegfried Maiweg, der von 1938 bis 1956 als Direktor der Zeche Werne und Vorstand der Klöckner-Werke im Haus Rünthe lebte.

Am Schacht III in Rünthe Anfang der 1950er Jahre.
Wohnbebauung am Zechenplatz in Rünthe Anfang der 1950er Jahre. (Bildnachweis: Westf. Wirtschaftsarchiv, Signatur N 21)

„Kurioserweise hat es den Zechenplatz als offiziellen Straßennamen in Rünthe nie gegeben“, weiß Stadtarchivar Martin Litzinger, „Vermutlich stammt die Bezeichnung aus der Zeit zu Beginn des letzten Jahrhunderts, als auf dem früheren Hof des Landwirts Timpeltei der Schacht III abgeteuft wurde. So hat es sich dann über die Jahrzehnte im Volksmund etabliert. Die korrekte Benennung in Zechenweg erfolgte erst 1957.“ Zu diesem Zeitpunkt war der Zechenplatz bereits einige Jahre bewohnt. „Aus den früheren Maschinengebäuden hatten die Klöckner-Werke als Betreiber der Zeche nach dem Zweiten Weltkrieg Notwohnungen gemacht und zwei zusätzliche Wohnhäuser errichtet“, erklärt Litzinger, „Schließlich herrschte ein großer Mangel an Wohnraum.“

Schacht III in Rünthe mit Kriegszerstörungen.
Kriegszerstörungen am Schacht III in Rünthe. (Bildnachweis: Westf. Wirtschaftsarchiv, Signatur N 21)

Zur Aufwertung des Platzes trug bei, dass ab 1951 ein Wochenmarkt im Schatten des Förderturms stattfand. Die Fläche für den Marktplatz hatte die Gemeinde Rünthe von der Zeche Werne gepachtet. Ganze zwölf Jahre sollte sich der Markt dort halten, dann erfolgte der Umzug in die Kanalstraße. Sportplatz und „Badeanstalt“ waren bereits unmittelbar nach dem Krieg wieder instandgesetzt worden. Das Rünther Schwimmbad war eine umfunktionierte Kühlturmtasse der Schachtanlage. Viele Kinder aus der Bergbaugemeinde haben darin unter den wachsamen Blicken von Bademeister Prast das Schwimmen gelernt. Der Sprung in das eisklate Wasser des unbeheizten Beckens war für kleine und große Badegäste eine echte Herausforderung.

Schacht III in Rünthe historisch.
Der Schacht III in Rünthe. Die Kühlturmtasse im Vordergrund diente als "Badeanstalt". (Bildnachweis: Westf. Wirtschaftsarchiv, Signatur N 21)

Undenkbar ist der Zechenplatz ohne Halde, die bereits ab 1912 bei der Teufung des Schachtes durch den Aushub entstand und in den Folgejahren durch den Abraum der Kohlewäsche mächtig anwuchs. Der 91-jährige Dr. Hans Küsel, früher Jurist bei der Klöckner Bergbau AG, weiß zu berichten, dass die Halde in den 1960er Jahren beinahe verschwunden wäre. „Beim Bau der A1 hätten wir damals den gesamten Abraum verkaufen können. Die Straßenbauer brauchten das Material für einen Erdwall entlang der Autobahn. Aber dagegen regte sich Protest. Die Rünther wollten ihre Halde behalten,“ erinnert sich Dr. Küsel. Immerhin diente die im Laufe der Jahrzehnte bewaldete Fläche vielen Einwohnern zur Naherholung, vor allem aber den Kindern als großer Abenteuerspielplatz und im Winter als Paradies für rasante Schlittenfahrten.

Schacht III in Rünthe, historische Aufnahme
Der Zechenplatz zu Beginn der 1950er Jahre von der heutigen Ringstraße aus betrachtet. (Bildnachweis: Westf. Wirtschaftsarchiv, Signatur N 21)

Die Pläne zur Ortssanierung ab Mitte der 1970er Jahre sahen für den Zechenplatz in seiner alten Gestaltungsform keine Zukunft vor. Die einfache Bebauung galt als nicht sanierungswürdig. So ließen die Abrissbagger nicht lange auf sich warten. Der Förderturm von Schacht III, einst stolzes Zeugnis der Bergbautradition in Rünthe, wurde schließlich am 5./6. Mai 1986 demontiert. Erhalten blieben die alte Kohlewäsche und das ehemalige Kauengebäude.

Historische Aufnahme Schacht III in Rünthe
Blick auf die Rückseite des Zechenplatzes in Rünthe. (Bildnachweis: Westf. Wirtschaftsarchiv, Signatur N 21)