Das Ende des Ersten Weltkriegs

Altes Kriegerdenkmal in Rünthe von 1926
Kriegerdenkmal 1926 (Bildnachweis: Stadtarchiv Bergkamen)

 

Am 11. November 1918 endete der Erste Weltkrieg. Der Weltenbrand, der im Sommer 1914 seinen Anfang nahm, gilt heute als erster industriell geführter Krieg der Geschichte. Zwei Millionen deutsche Soldaten verloren ihr Leben. Auch in Rünthe hinterließ das Ereignis seine Spuren.

 

Im Stadtarchiv Bergkamen zeugen die alten Sterberegister von den Verlusten: 89 Männer der Gemeinde fanden den Tod auf den Schlachtfeldern. Ein Blick auf die zahlreichen Sterbeurkunden macht deutlich, dass vor allem Jüngere unter den Toten waren, die meisten weit unter 30 Jahre alt. Womöglich blieben ältere Männer als erfahrene Bergleute zunächst vom Einsatz an der Front verschont, um die kriegswichtige Kohleförderung sicherzustellen. Mit dem damals 21-jährigen Jakob Heinz war in Rünthe gleich zu Kriegsbeginn der erste Gefallene zu verzeichnen. Er starb am 14. August 1914 an der Westfront. Eine Tragödie erlebte auch die Familie Schmucker, deren Söhne Heinrich und Karl innerhalb von sechs Wochen im Juli und August 1917 fielen. An das Schicksal aller gefallenen Soldaten erinnert heute das Kriegerdenkmal am Eingang zum Landwehrpark in der Schachtstraße.

Das Kriegerdenkmal in Rünthe
Das Kriegerdenkmal heute. (Foto: Manuel Izdebski)

Für die Rünther Bevölkerung brach mit dem Krieg eine entbehrungsreiche Zeit an, die durch eine schlechte Versorgungslage geprägt war. Einen traurigen Höhepunkt erreichte die Hungersnot im sogenannten „Steckrübenwinter“ von 1916/17. Um das Leid etwas zu lindern, richtete die Gemeinde Rünthe im darauffolgenden Frühjahr für bedürftige Familien eine Volksküche ein. Ein altes Polizeiprotokoll des Amtes Pelkum vom 1. Februar 1918 gibt Einblick in die Stimmung an der Heimatfront im letzten Kriegsjahr. Es dokumentiert den Verlauf einer Belegschaftsversammlung von 500 Bergleuten der Zeche Werne am Schacht III in Rünthe, die in der Gaststätte Knobloch (später Löken) in der damaligen Kaiserstraße stattfand. Darin heißt es: „Bergmann Albrecht führt aus, er habe schon seit acht Tagen mit seiner Familie nur von Kartoffeln und Salz gelebt. Er würde nächstens eine Einladung an den Minister und an den Gemeindevorsteher in Rünthe ergehen lassen und sie auffordern, bei ihm am Mittagstisch teilzunehmen (allgemeines Bravo).“ Auch die Bergmänner Dieghel, Kirmse und Schwan verschafften ihrem Ärger Luft und beklagten die mangelnde Versorgung mit Lebensmitteln und Kleidung: „Hunderte Familien laufen hungernd herum.“

 

Zum offiziellen Kriegsende am 11. November 1918 waren die Schrecken der damaligen Zeit noch nicht vorbei. Mit den heimkehrenden Frontsoldaten kam auch die spanische Grippe ins Land. Der tödliche Erreger stieß auf eine ausgemergelte Bevölkerung, die der Epidemie nichts entgegenzusetzen hatte. Für Rünthe ist die Zahl der Grippetoten nicht überliefert. Historiker schätzen, dass bis zum Frühjahr 1919 etwa 600.000 Menschen in Deutschland dem Virus zum Opfer fielen. So gingen Krieg und Seuche Hand in Hand. Die folgenden Nachkriegsjahre blieben für die Bewohner der Bergbaugemeinde schwierig, Not und Mangel bestimmten das Leben.

Für die gefallenen Soldaten wurde 1926 ein Ehrenmal am Hellweg errichtet. Das Grundstück an der Ecke zur Kanalstraße stiftete die Zeche Werne. Finanziert wurde das Bauwerk durch Spenden zahlreicher Privatleute und der Rünther Vereine. Bis 1978 blieb das alte Kriegerdenkmal an diesem Standort, bevor wegen der Sanierungsmaßnahmen im Ortsteil ein anderer Platz für ein neues Ehrenmal gefunden werden musste. Wiederverwendung fanden die alten Bronzetafeln mit den Namen der Toten, die das Denkmal bis heute zieren.